Amtschef Bittelmayer zu Besuch in Mittelfranken

Referent Hr. Bittelmayer - Amtschef Ministerium Landwirtschaft und Forsten in München
Referent Hr. Bittelmayer - Amtschef Ministerium Landwirtschaft und Forsten in München

Die AbL Franken lud am Montag Abend zum Vortrag ein:

Wie geht es weiter mit der Landwirtschaft - GAP , Düngeverordnung und was sonst noch auf die Landwirte  

zukommt 

 

 

 

Herr Bittelmayer zeigte uns die aktuelle Situation der Landwirtschaft auf. Die Landwirtschaft ist verstärkt in eine bedrängte Situation gekommen. Der zunehmende Druck in der Öffentlichkeit ist eine Herausforderung. Sicherlich sind die Gründe hierfür Vielschichtig. Die Befürchtung der Landwirt würde in eine Art "Lethargie" fallen, war durch die Reaktion der anwesenden spürbar. An persönlichen Beispielen erlebten die anwesenden die persönliche Verbundenheit mit der Landwirtschaft.

Noch immer wird der Landwirt in der Bevölkerung hoch angesehen. Das sollten wir nicht vergessen"

 


Schön, dass Amtschef Bittelmayer sich Zeit nahm um in seinem früheren Amtsgebiet Rede und Antwort zu stehen. Schwierige Themen wie die Düngeverordnung kamen auf den Tisch. Wir wollen euch daher unsere gestellten Fragen  nicht vorenthalten.

 

Folgende Fragen zum Thema "Gülle" stellten wir:
Die Antworten direkt darunter.

1) Als Bio Heumilchbauer sehe ich durch die Anforderungen zur bodennahen Gülleausbringung die Probleme der Futterverschmutzung. Meine Käserei verarbeitet hochwertige Rohmilch. Mögliche Verunreinigungen durch Clostridien, E.coli oder Verotozinbildende E. coli Keime sind nicht ausgeschlossen. Der Breitverteiler bietet eine Hygienisierung, die es bei der bodennahen Ausbringung so nicht gibt. Inwieweit ist verunreinigtes Futter mit dem Tierschutz vereinbar?

In Unter- Mittel und Oberfranken wird ein groß angelegtes Forschungsprojekt durchgeführt. Dort werden alle Gerätetechniken auf Niederschlagsärmeren Standorten getestet. Dabei will man besonders auch die Kritikpunkte der angeblichen Futterverschmutzung wissenschaftlich von der LfL untersuchen lassen.  Unterschiedliche Güllezusätze sollen getestet werden. Der Möscha Verteiler wird dabei ebenfalls zum Einsatz kommen. 

 

2) Wissenschaftliche Untersuchungen der LfL liegen durch Versuche auf dem Spitalhof vor. Diese bescheinigen dem Breitverteiler in Bezug auf Futterverschmutzung und Clostridienbelastung bessere Werte als die untersuchten bodennahe Streifenförmige Ausbringtechnik. Österreicher bedienen sich dieser Untersuchungen des Spitalhofs. Sie fahren weiter  den Breit- oder Schwenkverteiler und wir  werden in der Beratung oder im Wochenblatt auf die tollen Versuche aus Raumberg-Gumpenstein verwiesen. Wie passt das zusammen?
Wie gesagt, der Möscha Verteiler wird genau getestet. Sofern es wissenschaftlich beweisbar ist, dass dieser gleichwertig oder bessere Emissionsminderungen erbringt als die bodennahe Ausbringung, wird er auch weiterhin seine Zulassung behalten. Die angesprochenen Versuche muss man sich im Detail vielleicht nochmals anschauen. 

 

 

3)  Die Ammoniakreduktion durch die NERC Richtlinie (-29% bis 2030) bringt nach der Zwangsverpflichtung im Jahr 2025 - wenn alle die geforderte Technik auf dem Hof stehen haben und Ihr Geld für teure Technik vom Hof abgeflossen ist - die Tatsache, dass die Reduktion gerade einmal um 50% erfüllt ist. Müsste man den Bauern hier nicht heute schon sagen, dass noch einiges auf uns zu kommt und wie sieht diese Anforderung zur Emissionsreduktion in der Praxis dann für uns Bauern aus?
Danach muss man schauen, inwieweit weiterer Handlungsbedarf besteht. Es wird sicher eine weitere Herausforderung sein, diese restlichen Emissionen durch weitere Reduktionen in den Griff zu bekommen. Ob Güllebehälterabdeckungen oder Stallfiltersysteme - wir werden uns da weiter anstrengen müssen. Selbst die Diskussion um die Anbindehaltung muss berücksichtigt werden.  Bei einer Abschaffung bzw. Erweiterung durch den Laufstall gibt es eine Emissionserhöhung. Hier sehen wir, dass auf der einen Seite das Tierwohl mit der anderen Seite des Klimaschutzes konträr aufeinander treffen.

 

 

4) Im Bezug auf die Nitrateinträge im Grundwasser wurden ebenfalls auf dem Spitalhof Langzeitversuche durchgeführt. Diese zeigten bei provozierter Überdüngung von 480 kg/N mit Gülle nur ein einziges mal eine Grenzwertüberschreitung. Jedoch bei der 300 kg/N durch mineralischem Dünger eine Überschreitung um das 10 fache des Grenzwertes. Demzufolge ist doch die Gülle als solches nicht so schlecht und die Ursache in der Mineraldüngung zu suchen!

In welcher Form überschüssige Stickstoff wirklich unten ankommt ist nicht geklärt. Unser Trinkwasser ist zu schützen. Da sollten wir alles daran legen, dies auch so ins Bewusstsein führen.

 

5) Wenn man hört, dass Gülleveredlungen bzw. Zusätze in der einen Gülle sich positiv zur Ammoniakreduktion verhalten und andere Güllen überhaupt keine Wirkung zeigen, sollte man aus Sicht des Praktikers Rückschlüsse ziehen. Kann es nicht sein, dass das Antibiotika maßgeblich daran beteiligt ist? Der Pansen einer Kuh ist ein kleiner Bioreaktor, der voll mit Mikroorganismen ist, die teil der Kuh und später auch des Bodens sind. Inwieweit ist uns dies in Bezug auf die Düngeverordnung und Nährstoffversorgung bewußt?

Die Mikrobiologie in der Gülle wurde in der Tat bisher nicht untersucht. Aus diesem Grund gibt es eine Zusammenarbeit mit der TU-München, in der man diesen Themenkomplex als eine Art Grundlagenforschung in Angriff nehmen will. Hier haben wir Nachholbedarf und wir werden dies von Spezialisten erarbeiten lassen. Hier muss man aber auch um Verständnis bitten, denn soetwas geht nicht von heute auf morgen.

 

Anmerkung:
Wir haben uns erlaubt die uns betreffenden Fragen aus der Veranstaltung hier zu posten. Als "IG gesunde Gülle" brannten uns einige Punkte unter den Nägeln. Da wir diese Seite als Treffpunkt "unter Bauern" verstehen, stellen wir diese auch hier auf unserem Blog ein. Für nächste Woche ist ein Treffen mit Mitarbeiter des Ministeriums vereinbart. Der Austausch ist ein wertvoller und wichtiger Baustein für ein Verständnis zur aktuell gültigen DÜV. Die für uns "Kritiker" - auch eine schwere Kost ist. Damit verbunden die Frage der "guten fachlichen Güllepraxis".

Sowohl die Fragestellung als auch die Antwort haben wir nach unserer Erinnerung und Notizen (in gekürzter Form) hier niedergeschrieben. Die Antworten konnten wir gut nachvollziehen. Besonders gefreut hat uns das offensichtliche Gespür "für die Gülle" in Bezug auf ein "Mehr als nur Entsorgung von Kot und Harn" . Wenn wir diesen Weg weiter gemeinsam bestreiten, haben wir gesellschaftspolitisch und der bayerischen Agrarstruktur einen guten Dienst erwiesen.

Wir möchten uns daher auch für die Offenheit, Beantwortung unserer drängenden Fragen und die Möglichkeit des künftigen vertiefenden Austausches in der Sache bei Herrn Bittelmayer bedanken.
Jens Keim und Jürgen Schilling

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