Gülle und Mist sei für das Nitratproblem verantwortlich - das kann nicht unkommentiert bleiben:

ZITAT: Hauptursache der Nitratbelastung ist die Landwirtschaft, die mit Gülle oder Festmist die Felder düngt.

 

SO - NICHT!!!

Fränkische Landeszeitung 29.08.2019

Richtigstellung - Kommentar:

Sehr geehrter Herr Drewes, 

Sehr geehrte Redaktion, 

im Wirtschaftsteil ihrer Zeitung war gestern (29.08.2019) ein Artikel mit der Überschrift: ZU VIEL GÜLLE AUF DEUTSCHEN FELDERN 

Wir haben in Deutschland ein Problem mit der Wasserqualität. Das ist leider nicht zu leugnen. Dieses Problem jedoch nur auf die Düngung mit Gülle, laut Überschrift, oder auch noch auf die Düngung mit Festmist, im weiteren Artikel, zurückzuführen ist sachlich nicht richtig. 

Gülle und Festmist sind einTeil der Ergebnisse unserer Tierhaltung. Solange die Tiere vom Futter, das auf der eigenen Betriebsfläche wächst gefüttert werden, kann kein Nährstoffüberschuß entstehen. Es kann sogar soviel Futter zugekauft werden, wie nährstoffmäßig an Produkten verkauft wird. Dann ist die Nährstoffbilanz erst ausgeglichen. Problematischer wird es, wenn erheblich grössere Mengen an Futter zugekauft werden. Allerdings ist hier der Spielraum wohl ziemlich groß wie ein Versuch der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft aus dem Jahr 2002 gezeigt hat. Auf dem Versuchgut Spitalhof wurde untersucht, wie sich unterschiedliche Düngemengen in Form von Gülle bzw Handelsdünger auf den Nitratgehalt im Wasser auswirken. Bei einer Gülledüngung von 480 kgN/ha (3 x 75 m³ Gülle) wurde weniger Nitrat, nur eine Überschreitung von 50mg/l,  im Wasser gefunden als bei einer Kunst/Handelsdüngergabe von 100 kg N/ha; bei 300 kg N/ha wurden bis 500 mg/l Nitrat gefunden, also der zehnfache Wert. Näheres unter Versuch 458 im Versuchsheft Spitalhofheft Nr. 2 aus 2002 im Downloadbereich von IG-gesunde Gülle; siehe Link:   https://www.ig-gesunde-gülle.de/download/ 

Ein Hinweis noch zur Einschätzung von 3 x 75 m³ Gülle je ha und Jahr: Eine Kuh "produziert" 20 - 25 m³ Gülle im Jahr und in der Gegend von Kempten, dort liegt der Spitalhof, kann man möglicherweise 3 Kühe je ha ernähren; also wären das 3 x 25 m³ Gülle im Jahr. 

Im Frühjahr dieses Jahres habe ich mit Nitratteststreifen das Wasser aus verschiedenen Drainagen auf Nitratgehalt untersucht. Auf meinen Flächen, seit 1979 anerkannter Biolandhof, mit organischer Düngung ( Gülle oder Festmist) habe ich nur Werte unter 50 mg/l gemessen. Bei den konv. Kollegen, die auf den Testflächen nur mineralisch gedüngt hatten, waren Werte deutlich über 50, bis 100 mg/l zu messen. Der Versuch vom Spitalhof stimmt also auch mit unserer Realität zusammen. 

Eine weitere Überlegung, die hier noch anzustellen ist: Die Gülle ist als Ausscheidung der Tiere vorhanden und muss nur sinnvoll eingesetzt werden. Mineralischer (Kunst)Handelsdünger wird mit viel Energieaufwand erst mal hergestellt und belastet die Natur deshalb mehrfach. Leider wird dies völlig ignoriert bei der gegenwärtigen Diskussion. Der einzige Vorteil des Handelsdüngers ist, dass er nicht stinkt bei der Ausbringung. Dieses Problem kann jedoch auch reduziert werden durch eine Behandlung der Gülle. Dadurch können die Emmissionen an Ammoniak reduziert werden und die Gülle wird für Pflanzen und Boden verträglicher. Weitere Infos gibt es auf unserer Homepage: https://www.ig-gesunde-gülle.de/ 

Ich erwarte in Zukunft eine sachlichere Berichterstattung zu diesem Thema und bin gerne bereit evtl auftretende Fragen ihrerseits zu beantworten. 

Mit freundlichen Grüßen 
Jürgen Schilling 

Regionalsprecher Bioland Mittelfranken und Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand Bioland Bayern 


Jürgen Schilling - Schnepfendorf 3 - 91541 Rothenburg o.T.  – Tel.  09861-92534  - mail:  bioschilling@gmx.net

LESERBRIEF kann man auch hier als PDF runterladen:


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Leserbrief zum Pressebericht "Zuviel Gülle auf deutschen Feldern" - abgedruckt am 28. / 29.08.2019 in vielen deutschen Medienhäusern - aufgrund der Nitratdiskussion mit der EU
Kommentar Zuviel Gülle auf deutschen Fel
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